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Erschienen: Heft 2023/1 mit dem Schwerpunkt Recht
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Frühjahrstagung 2012 in München


Liebe Tagungsteilnehmerinnen und Tagungsteilnehmer, liebe Kolleginnen und Kollegen,

der Münchner Alois Hingerl fühlt sich als von Petrus getaufter Engel Aloisius auf seiner "Cloud" bekanntlich sau unwohl. Er hat keine Lust aufs Frohlocken und das Hosianna-Gurren. Zudem wartet er vergeblich auf sein hopfiges Leib- und Magengetränk, das mit "Manna" rein gar nichts zu tun hat. Der Herrgott hat schließlich ein Einsehen und bestimmt, Aloisius – im Himmel nicht zu gebrauchen! – als Boten einzusetzen, der mehrmals in der Woche der Bayerischen Regierung seine göttlichen Ratschläge auf die Erde überbringt. Gleich in seiner ersten Mission bleibt Aloisius allerdings im Hofbräuhaus hängen und ward fortan nicht mehr gesehen. Die Folgen für die Politik dürfen als bekannt vorausgesetzt werden.

Was hat diese Geschichte mit den Medienarchivarinnen und Mediendokumentaren zu tun? Nun, Aloisius als Überbringer von Botschaften und Informationen ist einer von uns, wenn auch kein aktuell praktizierender. Aloisius lebt auf einer Wolke, wenn auch nur für kurze Zeit. Von dort wird er wieder nach München entsandt, in die Stadt, in der 101 Jahre nach Drucklegung unsere Zunft zum Erfahrungsaustausch tagt, damit wir unsere "Regierungen" auch in Zukunft göttlich beraten können.

"M" wie München – eine Stadt findet ihre Medien: Heimstatt der Süddeutschen Zeitung, die seit Ende des Zweiten Weltkrieges durch die Zeitgeschichte streift, flankiert von weiteren Blättern, von denen hier nur der Focus prominent genannt werden soll. Hier hat der Bayerische Rundfunk die beiden Fernsehlichtgestalten (bisweilen statt teils umwölkt) Jauch und Gottschalk hervor gebracht und viele andere mehr. Geburtsort und eine Wiege des privaten Fernsehens in Deutschland und Standort von ProSiebenSat.1, bei der einst der Medienlöwe Leo Kirch Pate gestanden hat. Eine Stadt mit Verlagsleuchttürmen wie Beck, Hanser und Piper. Die Filmstadt mit dem viel zu früh verstorbenen Bernd Eichinger, der Bavaria, der Hochschule für Film und Fernsehen, dem Filmfest und dem Münchner Filmmuseum - gleich um die Ecke vom Tagungsort.

Doch nicht nur Institutionen geben der Medienstadt ihr Gepräge. Auch Persönlichkeiten haben ihren Anteil: Thomas Mann führte an der Isar seinen Fiffi aus, Mosi dagegen trug seine Daisy lieber auf dem Arm. Wolfgang Koeppen narrte in Schwabing über Jahrzehnte die literarische Welt, die nach drei Großtaten immer wieder neuen Stoff erbettelte. Von hier aus kreiert Alexander Kluge unablässig und rasant sein mehrmediales und nobelpreisverdächtiges Werk, im Deutschen Herbst in Zusammenarbeit mit dem Katzelmacher RW Fassbinder. In München ermittelte der deutsche Bond-Ersatz Derrick vor allem in Grünwald für das ZDF, sorgte die Spider-Murphy-Gang für Skandale im Sperrbezirk und siedelte Ludwig Thoma 1911 seinen Dienstmann Nr. 172 Aloisius auf einer Wolke – nein, nicht über dem Hauptbahnhof, sondern über der Staatskanzlei – an. Und über allen schwebt natürlich der Valentin Ludwig Fey aus der Au.

Gründe gibt es also mehr als genug, eine Tagung von Medienarchivaren und Mediendokumentarinnen nach 1964, 1973, 1983 und 1996 wieder in München zu veranstalten.

Wir freuen uns sehr, dass die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) uns in diesem Jahr ihre Räume und Infrastruktur in ihrem Gemeindezentrum anvertraut. Der Tagungsort liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Ohel-Jakob-Synagoge, die Sie während der Tagung besichtigen können.

Wir sind uns bewusst, dass gerade an diesem Flecken der Stadt die Versuchungen für Aus- und Abschweifungen vom Tagungsprogramm unendlich groß sind: Oper, Kammerspiele, Deutsches Museum, Viktualienmarkt, Biergärten … Die Liste ist lang. Das Tagungs- und Rahmenprogramm ist in 2012 allerdings so spannend und attraktiv, dass Sie sich mit Fluchtbewegungen selbst am meisten schaden würden. München ist zu vielfältig, als dass Sie in drei Tagen alles schaffen könnten. Wir als Veranstalter der Frühjahrstagungen kommen schließlich auch gerne immer wieder.

In diesem Sinne, lassen Sie sich von uns "frohlocken" und mit einem freudigen "Hosianna" zur Tagung begrüßen. Für das Ihnen gemäße "Manna" ist ebenfalls gesorgt. Bis dahin herzliche Grüße von Wolke zu Wolke.

Ihr
Klaus Heimann
Im Namen des vfm-Vorstands sowie des Programm- und Lokalkomitees der Frühjahrstagung 2012

 

Letzte Änderung: 30.03.2012