Hybride Frühjahrstagung 2022 Fit for Files - Medieninformation zwischen dokumentarischer und künstlicher Intelligenz - 25.04.2022 - 27.04.2022 ()

Das Tagungs - A-Z

Anne Bude | Bier | Borsigplatz | Botta, Mario | Currywurst | DASA Arbeitswelt Ausstellung (BAuA) | Depot | Dortmund-Ems-Kanal | Emscher | Fußballmuseum | Gedenkstätten Steinwache und Bittermark | Hansestadt | Hochofenerlebnis “Skywalk” | Im Keller | Industriekultur | Jöckeln | Konzerthaus | LWL-Industriemuseum Zeche Zollern | Museum | Novi Sad | Ostfriedhof | Pfefferpotthast | Phoenix See | Public Hybrid | Quatern | Ruhr Nachrichten | Schalthaus | Schicht im Schacht | Sechs-Tage-Rennen | Tatort Dortmund (ARD/WDR) | Treppchen 1763 | U , Dortmunder „U“ | Uncle Tom’s | Universität | Verkasematuckeln, Verdorri, Verbumfideln | WDR-Landesstudio Dortmund | Westfälisches Wirtschaftsarchiv | Xian | You’ll Never Walk Alone | Z eche | Zorc, Michael „Susi“

Das Tagungs - A-Z

Anne Bude

Trinkhalle, Kiosk, oder Büdchen: Die offizielle Benennung der kleinen Kultobjekte schert echte Dortmunder:innen herzlich wenig. Sie gehen „anne Bude“. Für die kleinen gibt’s hier bunt gemischte Tüten (lose Süßigkeiten), die großen trinken sich hier nach Feierabend „lecka Bierchen“ und „klönen (quatschen) mit die Kumpels“. Die ersten Trinkhallen wurden bereits während der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts eröffnet, um mittels der hier offerierten „Heilwässer“ der Trunksucht der Arbeiterschaft Einhalt zu gebieten. Paradoxerweise entwickelten sich ebenjene Orte zu Hotspots einer Trinkkultur, in der Wasser (welcher Art auch immer) eine eher untergeordnete Rolle spielt. Wer den Trinkhallenboom der 1960er Jahre einmal nachfühlen möchte, der besuche den Bergmann Kiosk unweit des Dortmunder U’s.

Bier

Bier

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B Bier. Foto: Lehmkühler

Ort: Inne Kneipe
Hömma, komma bei mich bei, da trinken wa einen auf Dooatmunt. Is ja alles nich mehr wies war, woll. Die zig Brauerein gibs ja nich mea: Union wech, Thier wech, Kronen wech, Actien wech. Hansa wech, Stifts wech. Die Biere kannse abba noch überall trinken. Da macht jetzt der Pudddingbaron* den Reibach mit unsam Bier. Kannst gaa nich veastehn, da wirse ganz kolone. Steht noch Union drauf und schmeckt aunoch so. Na, hoch die Tassen! Hauptsache Pils oder Export. Ja, Export is von hier. „Dortmunder Export“ dat waan Name! Gibs jetzt sogaa in Amerika als Bier. Hier, auf einem Bein kannse nicht stehn. Prost, hab heute meine Spendierhosen an. Hasse schoma das Bergmann probiert? Das gibs jetzt widda.

Am Phoenix-See machense ziemlich viel Gedöns. Das is echt wies Bier vom Oppa. Musse ma probieren. Prost! Nochn Herrengedeck. Mach maa n Deckel für uns, Hooast. … Bin doch n bisschen duhn. War doch schon n netten Abend in Dooatmunt, woll?

*Die Dortmunder Biermarken werden von der Radeberger Gruppe (Oetker-Konzert) gebraut. www.brauereierlebnisdortmund.de

 

Borsigplatz

Wenn man von Nordosten nach Dortmund hineinfährt, führt an ihm kaum ein Weg vorbei. Der Borsigplatz ist Verkehrsknotenpunkt und Feiermeile, wenn der BVB einen Titel holt. Dieser wurde übrigens ganz in der Nähe gegründet! Auch die Westfalenhütte und die Hauptverwaltung des Industriekonzerns Hoesch befanden sich in direkter Umgebung des Borsigplatzes. Aber wie kommt der Platz zu seinem Namen? Albert Borsig hat, ganz im Geiste der aufstrebenden Großindustriellen, die das Ruhrgebiet seit dem 19. Jh. prägten, ganz in der Nähe des heute nach ihm benannten Platzes eine Maschinenbaufabrik geründet, die später von Hoesch übernommen wurde. Die Hoesch-Industrieanlagen prägten das Dortmunder Stadtbild auf Jahrzehnte hinaus. Die Firma Borsig gibt es nicht mehr, der nächste BVB-Titel kommt aber bestimmt!

Botta, Mario

Der 1943 im Schweizer Tessin geborene Architekt Mario Botta, der sich bereits weltweit durch spektakuläre Bauten u. a. auch für Bibliotheken und Funktionsbauten einen Namen gemacht hatte, wurde 1995 durch die Stadt Dortmund beauftragt, innerhalb von 1000 Tagen die Zentralbibliothek der Stadt- und Landesbibliothek in Dortmund zu bauen. Bereits 1998 konnte der Bau ohne Zeitverzögerungen übergeben werden. 66 Mio. Euro kostete das im Rund gebaute, transparente Glas-Gebäude, das auch technisch auf dem neuesten Stand ist. Botta bezeichnete es als „Halbinsel aus Glas“, in dem der „Schatz der Menschheit“ liegt“. (FR 14.09.1999)

 

Currywurst
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C Currywurst. Foto: Lehmkühler

Angeblich ist die nächste Currywurst im gesamten Ruhrgebiet nie weiter als zehn Gehminuten entfernt. Das sagt wohl einiges über den Stellenwert des „Kraftriegels der Facharbeiterin und des Facharbeiters“ (Gerhard Schröder) aus. Einzig legitime Beilage ist Pommes Schranke (Ketchup und Mayonnaise). Aber Achtung: Die Frage, wo es die beste Currywurst gibt, soll hier schon Ehen geschieden und Freundschaften beendet haben. Dabei ist doch völlig klar, die beste Currywurst gibt es bei …

DASA Arbeitswelt Ausstellung (BAuA)
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D Depot Dortmund. Foto: Jan Schmitz

Die DASA in Dortmund-Dorstfeld, Ankerpunkt auf der Route Industriekultur, ist ein multimediales Erlebnismuseum für Jung und Alt, Freizeit- und Fachbesucher:innen zum Thema “Mensch Arbeit Technik“ und eines der größten Museen Deutschlands. Ob Fabrik- und Industriearbeit in der Textilindustrie, Bildschirmarbeit, Zeitungsherstellung vom Handsatz zum Desktop-Publishing, Bauindustrie, Transport und Verkehr, Gefahrenstoffe, Schichtarbeit, Elektrizitätswirtschaft, Heilen und Pflegen, Infektionsschutz, Lebensraum Arbeitswelt, immer geht es um die Auswirkungen von Arbeit und Technik auf den Menschen und die menschliche Gesundheit. In Corona-Zeiten gibt‘s sogar eine Häkelanleitung für‘s Virus. Mit KI („Künstliche Intelligenz“) beschäftigen sich nicht nur wir Archivar:innen, sondern auch die DASA in ihrer aktuellen Sonderausstellung.

Depot

Gebaut 1915/1916, bis Mitte der 90er Jahre Straßenbahnhauptwerkstatt der städtischen Verkehrsbetriebe, danach als Projekt der Internationalen Bauausstellung IBA Emscherpark zum Kulturort mit Industriecharme entwickelt. Seit 2001 vereint es Ateliers und Büros von rund 40 Kunst- und Kulturschaffenden aus Architektur, Design, Fotografie sowie bildender und darstellender Kunst und bietet darüber hinaus ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm für Groß und Klein mit Ausstellungen, Theater, Tanz, Programmkino, Messen, Märkten und Workshops. Das Gebäude steht seit 1990 unter Denkmalschutz. Vom Charme der Industriekultur zwischen Kunst und Design können sich die Tagungsteilnehmer:innen beim Gesellschaftsabend in der „Depothek Gastronomie“, dem eigenständigen Nordstadtrestaurant, überzeugen.

Dortmund-Ems-Kanal

Mit dem Dortmund-Ems-Kanal beginnt in Deutschland die große Zeit der Binnenschifffahrt. 1899 reiste Kaiser Wilhelm II. extra zur Eröffnung an und unterstrich damit die Bedeutung für den wirtschaftlichen Aufschwung der Region. Bergbau und Stahlindustrie profitierten nun von den Transportmöglichkeiten für die Schwerindustrie. Bald werden die deutschen Kanäle zum bestausgebauten Wasserstrassennetz in Westeuropa. 1945 lag die Binnenschifffahrt durch die Zerstörung seiner 150 Brücken und des Dortmunder Hafens zunächst darnieder, konnte aber mit Unterstützung der Briten schnell sukzessive wieder in Betrieb genommen werden. Heute führt ein attraktiver Radweg am DEK entlang vieler Sehenswürdigkeiten, insbes. seine vielen Schleusen. Start ist das Dortmunder U. Der Dortmunder Hafen ist inzwischen ein Szeneviertel mit Freizeitwert. Geplant ist, den Hafen zu einem Standort für Digital-Unternehmen zu machen und einen großen Schritt in Richtung Modernisierung zu tun.

Emscher
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E Emscher. Foto: Lehmkühler

Südöstlich von Dortmund im Kreis Unna entspringt ein Fluss, zu dem viele Ruhrgebietsbewohner:innen ein besonderes Verhältnis pflegen. Dass viele die Emscher gut kennen, liegt auch daran, dass sie auf nur 83 Kilometern durch ganze elf Städte fließt. Westlich der Dortmunder Innenstadt ihr Tal betretend, steht die Emscher auf ihrem Verlauf bis Dinslaken symbolisch für die enge Verflechtung der Ruhrgebietsstädte. So schlängelt sich der kleine Fluss vorbei an Wohnsiedlungen, entlang der Autobahnen und mitten durch Schrebergärten. Über die vergangenen Jahrhunderte hat die Emscher durch diese Lebensnähe viel gesehen: Hexenprozesse, vergebliche Versuche der Schiffbarmachung, Brauchwasserentnahme und schließlich die Zuführung von Abwässern aus den Städten und Grubenwasser aus den Bergwerken. Letztgenannte Einleitungen waren es dann auch, die dazu führten, dass die Menschen in Dortmund, Essen oder Bottrop die Emscher nicht nur sehen, sondern zunehmend auch riechen konnten. Überdies führten schwaches Gefälle, mäandernder Flusslauf und der durch den Bergbau abgesenkte Boden häufig zu Überschwemmungen des Fäkalien führenden Flusses. Mitte des 20. Jh. begann dann das Vorhaben, den damals schmutzigsten Fluss Deutschlands, der im Volksmund bereits mit dem Beinamen „Köttelbecke“ verschmäht wurde, in ein unterirdisches Abwasserklärsystem zu überführen und die Emscher-Umgebungen zu renaturieren. Seit dem 01. Januar 2022 ist die Emscher abwasserfrei.

Fußballmuseum
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F Fußballmuseum. Foto: DFM/Angerer

Nach dem „Sommermärchen“ der Fußball-WM 2006 in Deutschland entschloss sich der DFB, aus den finanziellen Gewinnen die Errichtung eines nationalen deutschen Fußballmuseums zu finanzieren. Aus den 14 Bewerberstädten wählte das DFB-Präsidium im Mai 2007 die Städte Köln, Oberhausen, Gelsenkirchen und Dortmund aus und entschied sich damit für einen Standort im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen. Am 24. April 2009 fiel die Entscheidung dann zugunsten Dortmunds. Das Deutsche Fußballmuseum (DFM) befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof und ist Bestandteil einer Kunst- und Kulturmeile zwischen dem Kreativzentrum Dortmunder U und dem Konzerthaus Dortmund. Die Bauarbeiten begannen im September 2012, die feierliche Eröffnung fand am 23. Oktober 2015 statt. Das DFM soll lebendiger Erinnerungs- und Erfahrungsort deutscher Fußballgeschichte sein. Dabei steht die Information über fußballhistorische Ereignisse und die Entwicklung des Sports in all seinen Facetten ebenso im Mittelpunkt wie soziale und gesellschaftliche Themen rund um den Fußballsport. Das Leitbild des Museums beschreibt es folgendermaßen: „Das Museum soll ausdrücklich besucherorientiert gestaltet sein und strebt eine hohe Erlebnisqualität und Attraktivität an. Es soll informieren, zum Nachdenken anregen, überraschen, berühren, begeistern – mit einem Wort: unterhalten. Das Museum soll als „Forum der Begegnung und Diskussion […]“ dienen.

Gedenkstätten Steinwache und Bittermark
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G Gedenkstätte Steinwache. Foto: Tbachner

Steinwache: Bereits 1906 entstand eine neue Polizeiwache in der nördlichen Innenstadt, die in der Bevölkerung bald den Beinamen „Steinwache“ erhielt. Während der Weimarer Republik wurde sie um ein Polizeigefängnis erweitert. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden hier mehr als 66.000 Menschen festgehalten. Viele von ihnen wurden durch die Gestapo schwer misshandelt, viele Gefangene in Konzentrationslager gebracht. Die Steinwache war als berüchtigte Folterstätte bekannt und erlangte als „Hölle Westdeutschlands“ traurige Berühmtheit. Da die Gestapo ab 1936 keine Statistik über Todesfälle mehr führte, ist die genaue Anzahl der Todesopfer unbekannt. Nach dem Krieg zunächst weiterhin als Polizeidienststelle und später als Obdachlosen unterkunft genutzt, drohte in den 1980er Jahren der Abriss. Das Stadtarchiv übernahm die Trägerschaft und erinnert seitdem an die Opfer der Gestapo im Polizeigefängnis Steinwache. Die Mahn- und Gedenkstätte zeigt eine Dauerausstellung zum Thema „Widerstand und Verfolgung in Dortmund 1933 – 1945“ und bietet regelmäßig Veranstaltungen und Vorträge an.

Bittermark: An Ostern 1945, nur wenige Wochen vor Kriegsende, wurden im Rombergpark, in der Bittermark sowie auf Eisenbahngeländen in Hörde und Berghofen rund 300 Menschen von der Gestapo
ermordet. Nach dem Krieg wurden die Ermordeten in einem Gemeinschaftsgrab auf einer Wiese in der Bittermark im Dortmunder Süden beigesetzt. An dieser Stelle sollte ein Ehrenmal errichtet werden. 1960 schufen der Hagener Künstler Karel Niestrath und der Dortmunder Architekt Will Schwarz im Auftrag der Stadt das Mahnmal Bittermark. Der Künstler Léon Zack gestaltete den Innenraum der Krypta u.a. mit einem Mosaik. Einmal im Jahr, zu Karfreitag, wird die Krypta für Besucher geöffnet.hes.

Hansestadt
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H Hochofen - Hoesch Gasometer: Foto: Lehmkühler

Dortmund war seit dem 11. Jh. Hansestadt. Ungarisches Erz, das begehrte Silber und Kupfer wurde über Magdeburg, Goslar, Soest und Dortmund nach Köln transportiert. Daneben diente der Handelsweg auch dem Transport vieler anderer Güter wie Tuche, Salz, Häute, Wachs usw. Dortmund prosperierte im Mittelalter und entwickelte ein eigenes Stadtrecht, das sog. „Dortmunder Recht“, das von den meisten westfälischen Städten übernommen wurde. Im 13. Jh. stellte Dortmund einen der vier Oldermänner, die die hansischen Kaufleute repräsentierten und damit an der Spitze der Hanse standen. Der Niedergang der Hanse fand mit dem 30-jährigen Krieg sein Ende. Eines der ältesten Zeugnisse der Blütezeit ist das Dortmunder Rathaus, eines der ältesten noch erhaltenen Hansegebäude, sein Erdgeschoss diente als Tuchhalle, der Keller als Weinlager.

Hochofenerlebnis “Skywalk”

Tolle Aussichten auf das ehem. Hüttenwerk Phoenix-West nach einem Hochhofenaufstieg verspricht die besondere Stadtführung „Hochofen Skywalk“. 99 Stufen rauf, über eine Gichtgaspipeline zum westlichen Hochofen und dann noch mal 64 Meter hochsteigen für einen spektakulären Ausblick auf Dortmunder Industriekultur und Strukturwandel mit Phoenix-See, Fernsehturm Florian oder „Signal Iduna Park“-Stadion!

Im Keller
Industriekultur

I_Industriekultur illumination-g0cf316406_1920 Foto AngelaHB.jpg I Industriekultur. Foto: AngelaHB

„Extraschicht!“ Ein Ausruf, der im wirtschaftlich florierenden Ruhrgebiet wohl häufiger mal durch die Fertigungshalle schallte, selten aber für Vorfreude sorgte. Heute ist das anders. Das auch als „Nacht der Industriekultur“ bekannte Kulturfest ist an jedem letzten Juni-Samstag der Moment, an dem sich einer der größten Ballungsräume Europas richtig herausputzt. Dann nämlich begeben sich etwa 200.000 Besucher:innen vorwiegend per Zug, Bus oder Rad auf ihre ganz individuelle Tour durch eine Region aus 24 vernetzten Städten mit 50 Spielorten und jede Menge Historie – das Ruhrgebiet. In Dortmund nehmen unter anderem die Kokerei Hansa, das Dortmunder U, das Deutsche Fußballmuseum oder das Depot Immermannstraße an dem Festival teil. Anders als im normalen Betrieb findet man in dieser einen Nacht des Jahres aber eine Extraportion Kultur vor: Artist:innen begeistern auf dem Koksofen, Schauspieler:innen säumen den Aufstieg zu ehemaligen Halden, Lichtinstallationen setzen Zechengelände in Szene. Und wenn es irgendwann „Schicht im Schacht“ heißt, ist das Dortmunder Brauerei-Museum ein guter Ort, all die Kultur mit flüssiger Begleitung zu verarbeiten. ➜ Zeche

Jöckeln
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J Jöckeln.

Das Verb „jöckeln“ aus dem Wortschatz der Ruhrgebietssprache, meint „beschwingt und locker gehen oder mit dem Rad fahren“. Zum „Herumjöckeln“ – „alle Sorgen des Alltags abstreifen und sich z.B. die Stadt oder Schaufenster ansehen“ (Quelle: www.ruhrgebietssprache.de, Verlag Henselowsky Boschmann), laden Dortmund und das Rahmenprogramm der diesjährigen vfm-Frühjahrstagung den Teilnehmenden herzlich ein.

 

 

 

Konzerthaus
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K Konzerthaus. Foto: Eva Schütz

Wer durch Dortmund schlendert, dem geben die geflügelten Nashörner in diversen Farben Rätsel auf: Lebten zu Urzeiten hier Nashörner? Ein Memento an die Dortmunder Nashorn-Plage? Ist es das neuste Maskottchen des BVB? Unterhält der Dortmunder Zoo eine Nashorn-Zuchtstation? Oder ist es schlicht das Lieblingstier des Oberbürgermeisters? Des Rätsels Lösung steht seit 2002 in der Brückstraße: das Konzerthaus Dortmund. Auf Initiative der Theater- und Konzertfreunde Dortmund e. V. entstand ein moderner Konzertsaal mit etwa 1500 Plätzen, der das „Problemviertel mit Pommesduft und Rotlichtcharme“ an der Brückstraße aufwerten sollte. Das Konzertprogramm des Hauses zieht mit international bekannten Künstler:innen aller Musik-genres tatsächlich nicht nur die Dortmunder:innen an, sondern auch das Umland und ganz NRW. Die Schuhkarton-Form des Saals ist an „den Konzertsaal schlechthin“ angelehnt, den Wiener Musikvereinssaal, und auch in akustischer Hinsicht war Wien das Vorbild. Denn mit etwa 2 Sekunden Nachhallzeit erleben die Dortmunder:innen hier eine herausragende Akustik. Schon bei der Grundsteinlegung war das geflügelte Nashorn dabei: Da diese großen Tiere mit ihren kleinen und sich stets bewegenden Ohren ein sehr gutes Gehör haben, stehen sie symbolisch für das gute, beflügelnde Klangerlebnis im Konzerthaus.

LWL-Industriemuseum Zeche Zollern
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L LWL-Zeche. Foto: Peggy Marco

Wie wurde früher Steinkohle gewonnen, wie sah der Arbeitsalltag unter Tage aus und welche Frauen und Männer „malochten“ in der Zeche? Das LWL- Industriemuseum Zeche Zollern zeigt die Sozial- und Kulturgeschichte des Bergbaus im Ruhrgebiet anhand verschiedener Lebensläufe der Arbeiter:innen und historisch überlieferten Ausstellungsstücken. Die um 1900 erbaute und den Zweiten Weltkrieg relativ unbeschadet überstandene Zeche Zollern in Dortmund gehört zu den schönsten Zeugnissen der industriellen Vergangenheit in Deutschland. Das „Schloss der Arbeit“, wie früher die Zeche bezeichnet wurde, beeindruckt auf den ersten Blick durch seine Backsteinfassade. Hinter dieser imposanten Fassade können sich Besucher: innen auf die Reise in die Zeit von Steinkohlenbergbau und Industriekultur begeben und dabei die Aussicht vom Förderturm genießen oder die ursprüngliche Schachtanlage begehen. Im Restaurant „Pferdestall“ (tatsächlich der ehemalige Pferdestall der Zeche) können sich Museumsbesucher:innen zwischendurch mit westfälischen Speisen stärken oder den erlebnisreichen Tag ausklingen lassen.
 

 

Museum
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M Museum. Foto Hoesch-Museum

Als kulturelles Zentrum im östlichen Ruhrgebiet hat Dortmund neben zahlreichen Archiven und Bib-liotheken wie der Stadt- und Landesbibliothek oder dem Institut für Zeitungsforschung eine Vielzahl an Museen, z.B. das Hoesch-Museum. Es „zeigt am historischen Ort 160 Jahre Eisen- und Stahlgeschichte in Dortmund: Im denkmalgeschützten Portierhaus der Westfalenhütte veranschaulichen Exponate aus Arbeit und Alltag, wie die Stahlindustrie die Region prägte. Den Bogen in die Gegenwart schlagen moderne Medienstationen und ein 3D-Stahlwerk. Die direkte Lage am Werksgelände, ein malerischer Baumbestand und ein Erzlehrpfad sowie weitere Großobjekte betten die Begegnungen vor Ort ein. Träger ist der Verein „Freunde des Hoesch-Museums“ […] Die Stadt Dortmund und thyssenkrupp Steel unterstützen diese Tätigkeiten seit der Eröffnung 2005.“ Sonderausstellung vom 10.04. bis 03.07.2022: Verlorene Orte – Lost Places. Zeichnungen des Dortmunder Künstlers Mathes Schweinberger. Indus- triebrachen […] diese Zeugnisse der Großindustrie, bevor sie einer Nachnutzung oder kulturellen Umnut- zung weichen werden. Die gezeigten Kreidezeichnungen entstanden direkt vor Ort, etwa auf dem früheren Hoesch-Spundwand-Gelände, der Kokerei Hansa oder auf den Bahnanlagen an der Westfaliastraße bzw. der Lübecker Straße. Aber auch ältere Bilder der Hoesch-Flächen in Hörde oder Orte der Kleinindustrie am Stadtrand mit ihren Hinterhöfen und Werkstätten sind Thema. Ihr Verschwinden markiert eine weitere Umbruchzeit der Region“. (Quelle: Hoesch-Museum)

Novi Sad
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N Novi Sad. Foto: pixabay fotos1992

Am 05. Oktober 1982 überreichte die Stadt Dortmund einer offiziellen Delegation aus Novi Sad feierlich eine Freundschaftsurkunde und besiegelte damit ihrerseits die Städtepartnerschaft mit der nordserbischen Stadt. Ein knappes Jahr später beschloss dann auch die Versammlung der Stadt Novi Sad, freundschaftliche Beziehungen mit der Ruhrpott-Stadt einzugehen. In den folgenden Jahren wurden die Beziehungen gepflegt und ausgebaut und es fanden zahlreiche Begegnungen und ein reger Austausch statt. Novi Sad hat einiges zu bieten. Die administrative Hauptstadt der Provinz Vojvodina ist für seine industrielle Fertigung bekannt, gilt als Transportknotenpunkt und wird als Handelszentrum, zum Beispiel für Agrarprodukte, bezeichnet. 1931 wurde bereits die Messe Novi Sad eröffnet, die bis heute eine große Kommunikations- plattform für den Wirtschaftszweig darstellt. Die Universität Novi Sad ist mit einem Partnerschaftsvertrag mit der Universität Dortmund verbunden. Die geschichtsträchtige Stadt, die durch Umbrüche, Krisen, Wiederaufbau und Aufschwung geprägt ist, zieht immer mehr Touristen an. Ob Donaustrände, den in der Nähe gelegenen Nationalpark Fruska Gora oder die gigantische Festung Peterwardein – Novi Sad ist einen Besuch wert. Novi Sad ist Europäische Kulturhauptstadt 2022. Unter dem Motto „Brücken bauen, wo Feinde kämpften“ möchte die Stadt die kulturelle Diversität in den kommenden zwölf Monaten für Besucher sichtbar, hörbar und erlebbar machen.

Ostfriedhof
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O Ostfriedhof. Foto: Wikimedia / Rainer Halama

Am Rand der östlichen Innenstadt, seinerzeit eine bevorzugte Wohngegend von Industriellenfamilien, liegt eine grüne Oase der besonderen Art, der Dortmunder Ostfriedhof. Er wurde 1876 eröffnet und gilt mit seinem parkähnlichen Gelände mit zahlreichen Naturdenkmalen wie einer ahornblättrigen Platane von 1874, denkmalgeschützten Gebäuden und Grabstätten von künstlerischer und stadtgeschichtlicher Bedeutung als einer der schönsten Friedhöfe Deutschlands. U.a. befinden sich hier die Gedenkstätten für bei Schlagwetterexplosionen 1893 und 1897 zu Tode gekommene Bergleute der Zeche Kaiserstuhl, ein Mahnmal für den im 2. Weltkrieg zerstörten jüdischen Friedhofsteils und Grabmale des jüdischen Bildhauers Benno Elkan. Auch die berühmte Dortmunder Kochbuchautorin Henriette Davids fand im Gründungsjahr hier ihre letzte Ruhestätte.    

Pfefferpotthast

Zu einem Dortmund-Tripp gehört ein traditionelles Pfefferpotthast-Essen, außer für Vegetarier:innen, unbedingt dazu. Es handelt sich um ein kräftig gewürztes Rindergulasch, in Schmalz angebraten und mit Salzkartoffeln, Gewürzgurken und Rote Bete serviert. Das Rezept findet sich auch in Henriette Davidis Kochbuch von 1862, das auch im Bestand des Deutschen Kochbuchmuseums in der Berswordthalle am Südwall zu finden ist. Mit einem alljährlichen Pfefferpotthast-Fest auf dem Alten Markt feiert Dortmund den Sieg über die Gräfin Agnes von der Vierbecke und feindliche Truppen, die die Stadt im 14. Jh. einnehmen wollten.

 

Phoenix See

P Phoenix See Lehmkühler.JPG P Phoenix See. Foto: Lehmkühler

1,2 km Länge, max. 320 m Breite und 24 Hektar Wasserfläche – das ist der Phoenix See in Dortmund-Hörde. Der Phoenix See ist das Herzstück des dortigen Freizeitareals. Es ist eines der größten Stadtentwicklungsprojekte in Deutschland. Dort wo früher ein Stahlwerk von hyssenKrupp AG stand, ent- stand nach gerade einmal 5 Jahren Planung auf 100 Hektar Fläche ein neues Naherholungsgebiet. Ob segeln, paddeln oder rudern, die Seefläche bietet Wassersportlern viele Möglichkeiten. Aber auch abseits des Wassers lädt die Naherholungsanlage Besucher:innen zum Spazierengehen, Joggen, Radfahren oder Skaten ein. Auf insgesamt 3,2 km langen Fuß- und Radwegen kann die Natur genossen werden. Darüber hinaus sind seit der Eröffnung am 09. Mai 2011 am Phoenix See über 2050 Wohnungen entstanden, haben sich mehr als 200 Unternehmen dort niedergelassen und über 2000 Arbeitsplätze wurden geschaffen. Der Phoenix See zieht immer mehr Erholungssuchende an und gilt schon jetzt als eines der beliebtesten Ziele in Dortmund.

Public Hybrid

Seit Ende letzten Jahres ist der Emscherkunstweg um eine Installation reicher. Das neuste Kunstwerk „Public Hybrid“ hat der Künstler David Jablonowski innerhalb 2 Jahren in Dortmund-Schüren entwickelt. Für ihn ist das Ruhrgebiet Heimat, denn er ist in Bochum geboren und aufgewachsen. Seine Herkunft lässt er auch in seine künstlerischen Wer- ken einfließen. Die hybride skulpturale Installation besteht aus Sandstein und recyceltem Kunststoff. Der Ruhrsandstein aus Sprockhövel und der Kunststoff aus dem 3D-Drucker werden in dem Kunstwerk
übereinandergeschichtet. So ist eine Verknüpfung von digitaler Technologie mit dem traditionellen Abbau geologischer Ressourcen zu erkennen. Jablonow- ski spiegelt damit den Emscher-Umbau der Emschergenossenschaft, der durch technologische und ökologische Maßnahmen eine hybride Landschaft bildet, wider.

Quatern
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Q Quatern. Foto: pixabay geralt

Unter „quatern“ oder „rumquatern“ versteht der Dortmunder viel und (eher) substanzlos zu reden. Ein „Quaterkopp“ ist im Ruhrpott folglich jemand, der gern und viel mit allen Menschen über alles Mögliche redet. Dafür fährt man doch (auch) zu einer Tagung, um viele Kolleg:innen persönlich zu treffen und nett zu plaudern bzw. zu quatern, oder?

 

Ruhr Nachrichten
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R Ruhr Nachrichten. Foto: Ute Mader

Der Grundstein für die Ruhr-Nachrichten wurde bereits Weihnachten 1875 gelegt. Damals erschien erstmals die Tremonia Zeitung der Brüder Heinrich und Lambert Lensing. Unter dem heute bekannten Namen erschien die Zeitung als Erstausgabe am 1. März 1949 im Verlagshaus Lensing, heute Lensing Media. Seitdem sind die Ruhr-Nachrichten das Informationsmedium schlechthin für die Ruhrregion und Dortmund. „Aktuelle Nachrichten aus Dortmund und der Region“ - Hörde, Hombruch, Aplerbeck, Lütgendortmund, Brackel. Stets bestens informiert. Auch für die Presserecherche bilden die Ruhr-Nachrichten das Rückgrat der Informationsgewinnung aus der Ruhrregion mit einem Dortmunder Schwerpunkt. Alles Wichtige zum Thema Sport, Politik, Wirtschaft und Kultur. „Eine Seite Borussia“ – so nah dran am BVB ist nicht mal der gemeine Aktionär. Manchmal erfolgt auch ein Blick über den Tellerrand hinaus zum blauweißen Erzfeind in Liga 2. Was passiert am Dortmunder Flughafen? Welche neue Ausstellung gibt es im Dortmunder U zu begutachten? Was passiert in den Dortmunder Grundschulen – wer traut sich, Luftfilter auf eigene Kosten zu kaufen? Welche Veranstaltung hat die Westfalenhalle zum Beben gebracht? Was gibt es Neues aus den Kliniken im Stadtgebiet? Kurzum, von den großen Themen in Region und Stadtgebiet bis zu den kleinsten regionalen Themen wird alles beleuchtet. Wer die „RN“ liest, verpasst auf ungefähr 35 Seiten täglich von Montag bis Samstag nichts aus seiner Stadt und seiner Region.

Schalthaus

Das älteste noch bestehende Gebäude auf dem ehem. Hochofenareal Phoenix West. 1998 wurde der Stahlstandort stillgelegt, heute ist die frühere Energiezentrale mit alten Stahlträgern, Mauerwerk und Graffiti ein spannender Industriekulturort, nicht nur als Fotomotiv.

Schicht im Schacht

„Schicht im Schacht“ so heißt es im Ruhrpott, wenn eine Sache erledigt ist oder man nicht mehr damit zu tun haben möchte. Die Redewendung greift auf die Welt der Bergleute zurück, die Schicht war beendet, wenn der Kumpel mit dem Aufzug des Förderturms nach oben fuhr und sich zur intensiven Reinigung seines mit Kohle verschmierten Körpers in die Waschkaue begab, dann war die Schicht im Schacht beendet. Besondere Bedeutung erlangte die Redewendung, als 2018 endgültig in Deutschland die letzten Kumpels zum letzten Mal aus dem Förder-
korb ausstiegen und der Bergbau in Deutschland unwiederbringlich zu Ende war, „Schicht im Schacht“.

Sechs-Tage-Rennen
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S Sechstagerennen. Foto: Purusdurus

 

Kurios und faszinierend! 6 Tage rund um die Uhr auf dem Fahrrad im Kreis fahren! Das passierte von 1926 bis 2008 regelmäßig in der Dortmunder Westfalenhalle. Diese Bahnradsport-Veranstaltung gehörte zu den Sport-Highlights in Dortmund. Die Kombination aus sportlichen Höchstleistungen und einem Show- und Unterhaltungsprogramm (beides gleichzeitig wohlgemerkt!) hatte Tradition. Während
sich auf dem 200 m langen Holzoval in der großen Westfalenhalle Größen wie Rudi Altig, Eddy Merckx, Patrick Sercu oder Erik Zabel abstrampelten, nahm sich das Publikum in der Nebenhalle eine Auszeit bei Blaskapelle, Big Band, Schlagerstars und Showprogramm. Treffend besungen von Ernst Busch (1932):

Sechstagerennen
Mensch, tritt rin in die Pedale,
Immer rund ums Holzovale,
He! He! He! He! He!
Bohlen splittern, Reifen platzen,
Drei Musikkapellen jazzen,
He! He! He! He! He!

Cocktailsäufer, Wurschtverkäufer,
Alle brüllen um die Wette,
Räder fallen, Fahrer knallen
Mit der Nase uff ’s Parkette.
Das ist das Sechstagerennen!
Alle, die dabei sind, können nicht ins Bett!

Sechs Tage im Kreis, immer rundherum –
Kein Sterblicher weiß: Warum nur, warum?
Alle packt es, alle treiben mit!
Alle jagt es, alle schreien mit! He!
Sechs Tage im Kreis, immer rundherum –
Und kein Einzger weiß, warum! […]

Mensch, so ist das janze Leben,
Alle woll’n nach vorne streben
He! He! He! He! He!
Erst am Schluß, da dämmert’s leise:
Mensch, wir fahren bloß im Kreise.
He! He! He! He! He!

Und der Erste, denkste, wirste,
Und du strampelst ohne Pause,
Und dann siehste: Letzter biste.
Und dann wankste bleich nach Hause
Ganz wie beim Sechstsagerennen:
Alle, die dabei sind, können nicht ins Bett.

Sechs Tage im Kreis, immer rundherum –
Kein Sterblicher weiß: Warum nur, warum?
Alle packt es, alle treiben mit!
Alle jagt es, alle schreien mit! He!
Sechs Tage im Kreis, immer rundherum –
Und kein Einzger weiß, warum!
Text: Carl Behr; Musik: Harry Ralton

Tatort Dortmund (ARD/WDR)

Seit dem 01.11.2012 ermittelt in der allsonntäglichen Krimireihe „Tatort“ ein Ermittlerteam in Dortmund. Der Dortmunder „Tatort“ reiht sich ein in zahlreiche Vorläufer, die in Großstädten Nordrhein- Westfalens das ganze Sendegebiet abdecken und somit zur Identitätsstiftung beitragen sollen: Kommissar Kressin ermittelte in Köln, Haferkamp in Essen, Schimanski in Duisburg, Flemming in Düsseldorf, Ballauf und Schenk in Köln, Thiel in Münster und das Team um Faber und an seiner Seite erstmals als Frau in leitender Stellung Martina Böhnisch in Dortmund. Neben der Aufklärung brutaler Morde schwingt auch die persönliche, tragische Geschichte des Kommissars Faber mit, der Frau und Kind bei einem Verkehrsunfall verlor, der Täter beging Fahrer- flucht. Lokalkolorit oder Ruhrpottsprache stehen nicht im Vordergrund. Die Protagonisten des Ermitt- lungsteams bringen alle ihre persönlichen Geschich- ten und Verletzungen mit. Konflikte, Kränkungen, Missverständnisse ziehen sich durch die Serie und bilden die zweite Ebene des Erzählstranges. Trotzdem können die Kommissare die Fälle lösen, nicht zuletzt dank Böhnisch und Faber, die immer näher zusammen wachsen, bis Böhnisch am 20.2. den Serientod stirbt.

Treppchen 1763
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T Treppchen. Foto: Hiltrud Lehmkühler

Ältestes und traditionsreiches Gasthaus mit Biergar-ten im südlichen Stadtteil Hörde unweit der Hörder Burg. Das schöne Fachwerkhaus ist denkmalgeschützt. Einst durch das Stahlwerk Hermannshütte und Phoenix-Ost von Hoesch geprägt, steht der Orts- teil am Phoenix-See heute für einen erfolgreichen Strukturwandel.

 

U , Dortmunder „U“
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U U, Dortmunder. Foto: Eva Schütz

Schon von weitem gut sichtbar und ein Hingucker bei der Einfahrt in den Dortmunder Hauptbahnhof – das ist das Dortmunder „U“. Es ziert das denkmalgeschützte ehemalige Gär- und Lagerhochhaus der Dortmunder Union-Brauerei und leuchtet in der Nacht. Seit aus dem Lagerhochaus das „Zentrum für Kunst und Kreativität“ geworden ist, laufen unter dem U in der Dachkrone die „fliegenden Bilder“ des Dortmunder Filmemachers Adolf Winkelmann. Jeder Tag hat sein Motiv: Aktuelle und Dauerbrenner, die die Herzen der Dortmunder:innen höher schlagen lassen wie schwarz-gelbe Kickerfiguren oder frisch gezapftes Pils. Aber auch der Appell „Bitte Abstand“ ist in großen Buchstaben zu lesen oder das Statement gegen Rechts: „Ich, der Turm, fand schon damals Nazis voll uncool“ sowie die weltweite Anteilnahme „Je suis Charlie“. Jeweils zur vollen Stunde flattern die Brieftauben herein (sonntags in weiß), die im Ruhrgebiet als die „Rennpferde des kleines Mannes“ gelten. Im Innern des Lagerhochhauses entfaltet das Zentrum für Kunst und Kreativität ein breites Angebot, zeitgenössische Kunst zu machen und zu erleben. Unter anderem beherbergt das U seit 2010 das renommierte „Museum am Ostwall“. Gegründet wurde das Museum 1949 mit der Absicht, den Dortmunder:innen die zuvor verfemte Kunst nahe zu bringen. Heute gibt es neben der Klassischen Moderne Werke von Joseph Beuys, Wolf Vostell oder Martin Kippenberger zu sehen.

 

 

 

Uncle Tom’s

Und noch ein Gastro-Insidertipp einer gebürtigen Dortmunderin. Uncle Tom’s, American Bar und Restaurant mit 50er Jahre-Flair und Biergarten im Dortmunder Kreuzviertel. Hier kann man nicht nur seinen Hunger stillen oder bei einem Bier „chillen“. Das beliebte Wohn- und Ausgehviertel mit zahlreichen Altbauten aus der Gründerzeit, originellen kleinen Läden, Cafes und Gaststätten lädt auch zum „Herumjöckeln“ ein.

Universität

Mit der Technischen Universität Dortmund beherbergt die Stadt eine der größten Universitäten Deutschlands. 17 Fakultäten und 80 Studiengän- ge in den Bereichen Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie Gesellschafts- und Kulturwissenschaften, 300 Professor:innen, 3700 Mitarbeiter:innen und 32.400 Studierende prägen die TU. Bereits 1897 wurde mit der Königlichen Maschinenbauschule zu Dortmund die erste Vorläuferorganisation gegründet. Trotz starker und immer wiederkehrender Bemühungen schon ab dem Jahre 1900, fiel erst 1964 endgültig der Beschluss, eine TH in Dortmund zu gründen. Nachdem außerdem beschlossen wurde, dass die Hochschule als Universität gegründet werden sollte, konnte die Universität Dortmund am 16. Dezember 1968 endlich feierlich eröffnet werden. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten wuchs die Uni und schärfte ihre Forschungsprofile. Übrigens bildet der WDR jedes Jahr Journalistik-Studierende der TU Dortmund in einem zwölfmonatigen Volontariat aus, welches ins Studium intergiert ist.

Verkasematuckeln, Verdorri, Verbumfideln
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V Verkasematuckeln. Foto: pixabay TheAngryTeddy

„Verkasematuckeln“, Verb aus dem uhrgebietsdeutsch, meint, in kurzer Zeit, gierig und mit viel Ap- petit essen oder verkonsumieren, z.B. „Beim Betriebs- fest wurden etliche „Pilsken“ verkasematuckelt“. Kann aber auch bedeuten, genau und detailliert erklären: „Kannste mir das mal verkasematuckeln?“

Mit dem Ausdruck bzw. Ausruf „Verdorri!“ drückt der Dortmunder eine gewisse Verärgerung aus, das ist aber höflicher als „Verdammt!“. Emotionale Steigerungen bis hin zur Empörung wären die Ausrufe „Verdorri nomma!“ (nomma = noch mal) oder gar „Verdorri, wat en Kack!“

In der Ruhrgebietssprache meint „Verbumfideln“ das Verlegen oder nicht mehr Wiederfinden von etwas, dessen materieller oder ideeller Wert eher gering ist, im Gegensatz zum „Versaubeuteln“, da ist der Schaden schon gravierender. (Quelle: www.ruhrgebietssprache.de)

WDR-Landesstudio Dortmund
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W WDR-Landesstudio Dortmund.
Foto: Christian Beisenhe
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Südlich der B 1 in Dortmund-Brünninghausen und nur einen Steinwurf oder besser Ballwurf vom „Stadion“ entfernt, liegt das WDR-Landesstudio Dortmund, idyllisch „am Waldesrand“, wie ein bekannter WDR 2-Moderator gerne erwähnte. Mit über 100 festen und noch mehr freien Mitarbeitenden ist es nach Düsseldorf das zweitgrößte Regionalstudio des WDR in NRW. Tagtäglich werden Fernseh- und Hörfunksendungen produziert und gesendet, „Lokalzeit aus Dortmund“, WDR 2-Ruhrgebiet-Nachrichten („Lokalzeit“) und das WDR 4 Tagesprogramm. Seit 1999 stellt das WDR-Verkehrsstudio aus Dortmund 24/7 die Verkehrsmeldungen für Hörfunk und WDR-Homepage zusammen. Mit „Planet Wissen“ und „Planet Schule“ (im wöchentlichen Wechsel mit dem SWR) sind das Schulfernsehen und die ARD-Produktion „Das Wort zum Sonntag“ angesiedelt. Die Anfänge des Rundfunk-Standortes Dortmund gehen auf die erste Hörfunk-„Sendestelle“ 1925 im Auftrag der Westdeutschen Funkstunde AG zurück. 1950 eröffnete dann das „Westfalenstudio“ des damals Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR) in einem idyllischen Anbau der IHK. Nach einem Intermezzo im Pressehaus am Westenhellweg, ab 1956 als selbstständiger WDR, wurde 1970 dann das Hauptgebäude des heutigen, erweiterten Studiogebäudes bezogen.

 

Westfälisches Wirtschaftsarchiv

Das Westfälisches Wirtschaftsarchiv (WWA) wurde bereits 1941 gegründet, war nach dem Krieg eine Abteilung der IHK in Dortmund und ist seit 1969 eine Stiftung, deren Hauptfinanziers die IHK, die Handels- und Handwerkskammern, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, das Land NRW, aber auch der Sparkassenverbund Westfalen-Lippe und die Gesellschaft für Westfälische Wirtschaftsgeschichte sind. Das Archiv ist zuständig für die Überlieferungen der Regionen der wirtschaftlichen Entwicklung in Westfalen. Dazu gehören neben der Montanindustrie auch vorindustrielle Gewerbe, die Tuchindustrie, Bierbrauereien, Bestände zum Tabak, Fahrradherstellung und vieles mehr. Sitz des WWA ist seit 1992 die Märkische Straße. Das Archiv bietet nicht nur Forschern interessante Bestände der heimischen Wirtschaft bis zurück ins 17. Jh., es berät auch ansässige Unternehmen beim Aufbau eigener Archive und sorgt so für eine gute Überlieferungs-
situation der Wirtschaft in der Region.

Xian
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X Xinan China. Foto: pixabay suggarz

Am 22.07.1992 konnten der Oberbürgermeister von Xi‘an Cui Lintao und der Dortmunder Oberbürgermeister Günter Samtlebe die Partnerschaftsurkunden im Dortmunder Rathaus unterzeichnen und so die Städtepartnerschaft besiegeln. Diese Partnerschaft hatte ihren Vorlauf bereits in den 1980-er Jahren mit zahlreichen wirtschaftlichen Kontakten und Studentenaustauschen und gipfelte in den Vorbereitungen einer spektakulären Ausstellung von Figuren der riesigen Terrakotta-Armee aus Xi’an. Das Museum am Ostwall konnte 1990 eine halbe Million Besucher:innen anlocken und 2,5 Mio DM Einnahmen verbuchen, ein riesiger Erfolg für die Ausstellungsmacher:innen Prof. Lothar Ledderose und die frisch promovierte Sinologin Adele Schlombs sowie für die Stadt Dortmund. Trotz der blutigen Niederschlagung des Studentenprotestes auf dem Platz des himmlischen Friedens in Peking 1989 hielt der Rat an dem Plan fest. Bis heute existiert ein reger wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Austausch zwischen beiden Partnerstädten.

You’ll Never Walk Alone
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Y You'll Never Walk Alone. Foto: pixabay ewa69

Ein Dortmund A-Z ohne Fußball? Das geht natürlich nicht! Und die Stadionhymne des Ballspielvereins Borussia 09 Dortmund ist der perfekte Aufhänger! Denn wenn die Hymne durch das Westfalenstadion klingt, wenn die Gelbe Wand singt und die Fahnen schwingt, dann ist Gänsehaut vorprogrammiert. Und das müssen sogar die Schalker zugeben! Zwar ist das Lied sehr alt und ursprünglich nicht im Fußballumfeld angesiedelt gewesen, aber ab den 1960er Jahren hat es sich beim FC Liverpool zur Fanhymne entwickelt. Und da haben sich Vereine weltweit inspirieren lassen, so auch Borussia Dortmund. Der Verein, 1909 im Dortmunder Norden gegründet, ist aus der deutschen Fußballwelt nicht mehr wegzudenken und ist, auch wenn die Konkurrenten aus Gelsenkirchen es nicht gern hören, der erfolgreichste Verein aus dem Revier. Acht Deutsche Meisterschaften, zuletzt 2012, neun Vizemeisterschaften und fünf DFB-Pokalsiege (Dank des Sieges 2021 ist der BVB aktuell amtierender Pokalsieger!) stehen auf der Erfolgsliste. 1997 konnte die Mannschaft die Champions League gewinnen, ihr bisher größter internationaler Erfolg. Vielleicht ist die Hymne geklaut, aber dennoch passt sie perfekt nach Dortmund. Denn als BVB-Fan kann man sich sicher sein: „You’ll never walk alone!“

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Z Zeche Förderturm Zollern. Foto: Peggy Marco

Nein, nicht die, die geprellt wird (s. Bier), sondern das Synonym für „Bergwerk“ ist hier unser Thema. Auf Dortmunder Stadtgebiet gab es im Lauf von 160 Jahren etwa 125 Zechen, auf denen Steinkohle aus den Flözen unter Tage abgebaut wurde. Dabei ging es im Schacht über diverse Sohlen runter in die Tiefe und zum Glück (wieder) auf. 1987 wurde „Minister Stein“, die letzte Zeche in Dortmund, geschlossen. Das Zechensterben hatte bereits Ende der 1950er Jahre begonnen, als Importkohle und Öl auf den Energiemarkt drängten. Die Massenproteste vom 21.10.1967 gegen die Schliessung der Zeche Hansa in Huckarde gingen als „Schwarzer Samstag“ in die Stadtgeschichte ein. Der Dortmunder Regisseur Adolf Winkelmann lässt in seinem Kinofilm „Junges Licht“ (2016) diese von Zechen und Kohle geprägte Zeit sehenswert und unterhaltsam wieder auferstehen. Im Rückblick betrachtet begann mit dem Zechensterben einer der größten „Change-Prozesse“ in Deutschland: Aus dem Strukturwandel wurde ein Kulturwandel, der heute auf der Route der Industriekultur erlebt werden kann. Und neben Fördertürmen und wanderbaren Halden hört man in Dortmund auch heute noch den von der bergmännischen Fachsprache geprägte unverwechselbaren Ton: Noch sonn Gruß von Sohle sieben, dann is abba Hängen im Schacht.* Glück auf! *Wenn Du nochmal so geräuschvoll und erbarmenswert abhustest, dann geht nichts mehr.

 

Zorc, Michael „Susi“

Nicht „(Tante) Käthe“, sondern „Susi“ ist der Spitzname des ehem. Fußballspielers Michael Zorc und seit 1998 Sportdirektor von Borussia Dortmund. Der gebürtige Dortmunder verbrachte seine gesamten Profispielerjahre bei „seinem“ BVB und ist bis heute (Stand: 31.01.2022) dessen Rekordspieler mit 571 Pflichtspielen und 159 Toren. Seinen Spitznamen „Susi“ gab ihm in jungen Jahren wegen seiner wallenden schwarzen Haare sein Fußballkollege Rolf Rüssmann. Mitte 2022, mit 60 Jahren, geht Zorc in Rente, da ist für ihn Schluss oder - wie man im Pott so „sacht“ - „Schicht im Schacht“ (s.o.).

Koordination: Claudia Reckruth
Autoren:innen: Christoph Forster, Felix Günther, Dustin Haack, Ute Mader, Laura-Jane Müller, Bettina Schablitzky, Dennis Schlößer, Eva Schütz, Petra Witting-Nöthen